Judith Dezember 2018

 

Erfahrungsbericht Likoni 01.Dezember 2018- 28.Februar 2019

 

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich monatelang verzweifelt nach einem Projekt als Krankenschwester in Afrika zu arbeiten gesucht hatte, um meinen schon sehr lange geträumten Lebenswunsch verwirklichen zu können. Im Internet gibt es zahlreiche Angebote und Verlockungen, die unendlich viel Geld für „Unterkunft, Betreuung und Organisation vor Ort“ verlangen. Oder (wie in meinem Fall), bei denen es schon alleine an den Anforderungen wie „flüssig Englisch“ oder am besten noch eine Anästhesie – und/oder Intensivpflegekraft mit Führungskompetenzen zu sein, scheiterte.

 

Ich hatte großes Glück und bin sehr dankbar, dass ich dann durch Zufall einen Erfahrungsbericht einer anderen Freiwilligen auf Facebook entdeckt und so schließlich Maria und ihre Hilfsorganisation gefunden hatte.

Mit gemischten Gefühlen stieg ich am 01. Dezember 2018 in den Flieger nach Mombasa. Zum einen war da der Verabschiedungsschmerz am Flughafen und die Aufregung sich nun in ein neues unbekanntes Abenteuer zu stürzen, aber dann vor allem auch die Vorfreude auf die anstehende dreimonatige Zeit in einem fremden Land mit anderer spannender Kultur.

Mein positives Gefühl genau das Richtige gefunden zu haben, bestätigte sich sofort, als mich MamaRita und der Doc um halb 5 Uhr morgens im Kingston Hospital mit ihrer herzlichen und sympathischen Art in Empfang nahmen. Die beiden schauen jede Minute, dass man sich als Freiwillige wohl und zu Hause fühlt und tun alles dafür, dass es einem gut geht. In den drei Monaten hatte ich keine Sekunde lang Heimweh, weil man sich tatsächlich wie ein weiteres Familienmitglied fühlt. Der Doc und MamaRita waren zu jeder Tages- und Nachtzeit für einem da, wenn man mal Sorgen oder irgendwelche „german problems“ hatte. Wir hatten jede Menge Spaß zusammen. Die ganze Familie, einschließlich der Kinder ist unheimlich sympathisch, humorvoll und witzig. Und vom Doc konnte ich mit seinen abendlichen Film- und Dokureihen am Strand tatsächlich was fürs Leben lernen.

 

Zunächst einmal war ich die erste Woche nur überwältigt von der freundlichen, fröhlichen und offenen Kultur der Kenianer. Auf den Straßen war es laut und belebt, überall hörte man PikiPiki’s fahren, Gute-Laune-Musik, Leute quatschen oder jemanden „Mzungu“ rufen. Der Tag in Kenia schien auf eine positive Art und Weise endlos zu sein. Innerhalb der ersten Woche fand ich es langsam heraus, die afrikanischen Zeitangaben einschätzen zu können, was natürlich erstmal gewöhnungsbedürftig war. Gerade wenn man in Deutschland als Krankenschwester arbeitet, ist man es gewohnt, Dinge „Haraka Haraka“ (Kisuaheli für „schnell schnell“) zu erledigen. Und so war es eine Wohltat für mich, das afrikanische „pole pole“ (also: langsam langsam) kennen zu lernen. Die Arbeit im Krankenhaus zusammen mit MamaRita machte mir besonders viel Spaß.Sie und der Doctor haben ein unendlich gutes Herz. Diese positive, verständnisvolle und oft auch lustige Art und Weise, wie sie mit den Patienten umgehen, beeindruckte mich sehr.Im Kingston hört man den Patienten zu und nimmt sich Zeit. Der Doc hat ein unfassbar großes Repertoire an Wissen und Erfahrung. Deswegen genießt das Kingston einen sehr guten Ruf. Viele Patienten kommen extra nachts, um sich vom Doktor behandeln zu lassen. Ich durfte einige interessante Fälle mitbetreuen, z.B. eine septische Wunde am Knie, die ich mit deutschem Verbandsmaterial versorgen konnte. Außerdem begleitete ich ein kleines 9 Monate altes Baby, das unterernährt war und Durchfall hatte. Durch spezielle Babymilch, die ich spendete (da die Eltern nicht genug Geld dafür hatten), konnten wir den Gesundheits- und Gewichtszustand des Babys sehr schnell verbessern. Einmal kam sogar ein kleiner Junge der einen epileptischen Anfall hatte (bzw. der sich im Status epilepticus befand).

 

Was auch besonders toll war:Wir besuchten den Patienten Limo nach seiner lang ersehnten, notwendigen Knie-Operation im Kijabe Hospital (Nähe Nairobi). Dort machten wir uns ein eigenes Bild der frisch operierten Wunde und überzeugten uns direkt vor Ort über Limo s Wohlergehen. Die Operation wurde bereits über ein viertel Jahr zuvor von „Likoni-Healthcare for all“ bezahlt. Limo war natürlich überglücklich und unendlich dankbar über die Hilfe aus Deutschland. So kann er nun bald wieder arbeiten gehen, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

 

Das Patientengut im Kingston reicht von Jung bis Alt. In meinem afrikanischen Krankenschwestern-Dasein bekam ich viele interessante Krankheiten wie Malaria, Dengue Fieber, Patienten mit Wurmbefall oder z.. einer aggressiven Form von Dermatitis mit und Doc lernte mir jede Menge Interessantes über Tropenmedizin.

 

Einen bleibenden Eindruck haben die vielen Besuche in dem Armen-Dorf Timbwani bei mir hinterlassen. Hier erlebt man hautnah wie schlecht es vielen Menschen in Afrika geht. Viele Leute wohnen teilweise auf engstem Raum und haben manchmal nicht einmal Matratzen zum schlafen, geschweige denn Trinkwasser. Die Häuser bestehen aus einfachen Sand-Stein-Bauten und Wellblechdächern, die zum Teil auch undicht sind, wenn es regnet. Trotz der ärmlichen Verhältnisse sind alle Menschen in Timbwani unglaublich herzlich. Sie heißen einem sofort ganz liebevoll und freundlich willkommen und zeigen einem ihre Häuser und wie sie wohnen. Oder sie schenken einem als Zeichen der Dankbarkeit für die Hilfe aus Deutschland ein Chapati oder tatsächlich ein lebendiges Huhn (das MamaRita dann später ganz lecker für mich zubereitet hatte J). Diese lebensbejahende Art der Kenianer mit ihren teilweise sehr traurigen, tragischen und auch manchmal erschreckenden Lebenssituationen umzugehen, hat mich sehr beeindruckt.

 

Mein persönliches Highlight war es gemeinsam mit MamaRita und einigen freiwilligen Bewohnern von Timbwani für einen älteren und sehr geschwächten Mann, namens Abdallah ein neues Haus bauen zu dürfen. Seine bisherige „ Bleibe“ (Haus konnte man es schon nicht mehr nennen) war einsturzgefährdet und bot keinen Schutz mehr vor Regen. Das war eine unglaublich großartige Erfahrung für mich: 

 

Mitzuarbeiten und zu sehen, wie innerhalb von 2 Tagen ein komplett neues kleines Häuschen nur aus einem Holzgerüst, Steinen und einem Sand-Wasser-Gemisch entsteht. 

 

Nicht zu vergessen sind die atemberaubenden Ausflüge zusammen mit Lea und Carla (den anderen beiden Freiwilligen) wie die Tsavo East and West Safari, Besuch am Diani Beach, ein Ausflug zu den ShimbaHills und einen Trip mit dem Boot, wo man schnorcheln und Delphine sehen konnte. Auch die Besuche ins befreundete Waisenhaus, den „Little Angels“ machten uns riesigen Spaß.

 

Alles in allem kann ich nur noch abschließend sagen: „Africa changes you“.

 

Man sieht viele Dinge mit anderen Augen und es lässt einem bewusst werden, wie gut es uns zu Hause in Deutschland geht und wie sehr man dies schätzen kann. Es öffnet einem den Weitblick und regt zum Nachdenken/Überdenken an. Ich vermisse das Kingston und Afrika sehr und freue mich schon wieder auf einen nächsten Besuch J.

 

 

von Judith Brumm

 

 

 

 

 

   

     

MIT SPENDEN ETWAS BEWEGEN

 

 

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