Feentje November 2017

 

Erfahrungsbericht zu meiner Freiwilligenarbeit im Kingston

 

 

Die erste Frage die ich nach meiner Ankunft zurück in der Heimat, im Norden Deutschlands, gestellt bekomme ist die, wie es mir gefallen hat und nach der obligatorischen Antwort „gut“ lautet die nächste Frage: „Wann gehst Du wieder runter?“. Diese Frage kann ich mit 100%iger Sicherheit mit „sobald wie möglich“ beantworten, ohne auch nur eine Sekunde drüber nachdenken zu müssen.

Ich kann mich gut an mein erstes Telefonat mit Maria erinnern und wie ich erst knapp 4 Wochen später im Flugzeug, auf meinem Weg nach Mombasa begriff, welches Abenteuer nun auf mich zukommen würde. 3 Monate in einem fremden Land, umgeben von fremden Leuten, einer fremden Sprache, fremden Kultur, in einem mir fremden Aufgabenbereich und so weit weg von meiner Familie. Die Sorgen die sich während des Fluges so auf gestaucht hatten verflogen jedoch nach meiner Ankunft im Kingston direkt, als Mama Rita mich mit einer herzlichen Umarmung begrüßte und auch die andere Freiwillige dort auf mein Eintreffen bis mitten in die Nacht hinein gewartet hatte. Auch der erste Eindruck vom Doc hat mich positiv gestimmt und ich fühlte mich bereit für das, was kommen würde.

Am nächsten Tag verschaffte ich mir einen Eindruck von Likoni, dem Markt, den lustigen Fahrzeugen und vor allem den Menschen, doch mir wurde schnell klar, dass es die Leute sind die auf Dich zukommen. Als „Muzungu“ (Europäer) fällt man in Likoni auf und egal ob Groß oder Klein,Jung oder Alt,  jeder zeigt Interesse an deiner Person und heißt dich in Kenia willkommen und vor allem als Freiwilliger ist man dort gerne gesehen, da jede Art von Hilfe mehr geschätzt wird, als ich es mir je hätte vorstellen können. 

Das Kingston Hospital erwacht erst nachts so richtig zum Leben, weshalb ich hauptsächlich dann gearbeitet habe. Ich habe keinerlei medizinische Vorkenntnisse, durfte aber, unter Aufsicht von Mama Rita und dem Doctor, bei kleinen Eingriffen, Wundversorgungen, diversen Bluttests und Medikamentenvergabe assistieren, diese eigenständig durchführen oder den Papierkram für die Accounts erledigen, so wie Rezepte ausstellen. Die Hemmungen verliert man bei der Arbeit ziemlich schnell und die Patienten nehmen einen super auf, es werden auch gerne Bilder gemacht, viel gelacht  oder die Kiswahili Kenntnisse aufgebessert.

Natürlich gibt es hier aber auch viele Fälle von häuslicher- oder öffentlicher Gewalt, alte Wunden die aufgrund von Geldmangels nie behandelt wurden und Verwahrlosung gleichen oder Patienten kommen aus reiner Verzweiflung ins Krankenhaus, auch wenn sie bei Mama Rita und dem Doctor nur ein offenes Ohr suchen und finden. 

Außerdem haben wir uns um den weiteren Umbau des Krankenhauses gekümmert, kleine Aufträge erledigt die wir von Maria erhalten hatten, bei einer Blutspendenaktion mitgewirkt und dazu oft die Ferry überquert und in Mombasa eingekauft oder dort intensiv eine Patientin betreut, die eine wichtige Operation vor sich und letztendlich gut überstanden hat.

Eins der Highlights, aber auch erschreckendsten Momente für mich, war der Besuch und Spendentag im Dorf Timbwani. Die Offenheit der Menschen uns in ihre Häuser einzuladen hat mich sehr beeindruckt, auch wenn diese meist aus einem Allzweckraum bestehen, der sehr dürftig gestaltet ist, aber von der gesamten, großen Familie bewohnt wird. Dort haben wir Ugali, Bohnen, Reis und mitgebrachte Kleider- und Spielzeugspenden aus Deutschland verteilt, einer der prägendsten Tage für mich.

Ein weiteres Highlight waren die Delfinsafari und eine dreitägige Safari durch Tsavo East und West, die uns die atemberaubende Natur Kenias präsentiert haben, sowie der Diani Beach, der mit Matatu (einer Art Bus) und anschließend Tuktuk in knapp einer Stunde erreichbar ist und am Wochenende einen schönen Ausgleich zum doch hektischen Likoni bietet.

Das größte Highlight meiner Reise nach Kenia sind allerdings die Menschen, vorne weg dem Doctor und seiner Familie. Gemeinsames kochen, Nachmittage am Strand, schwimmen gehen oder ein Kirchenbesuch mit den Kindern, Chips und Soda in Mombasa oder das nächtliche Beisammensein bei dem die witzigsten Insider entstehen, all das hat meinen Aufenthalt im Kingston zu einer der prägendsten und schönsten Erfahrungen für mich werden lassen, der mich definitiv menschlich verändert hat.

Ich habe gelernt, dass es möglich ist zu geben obwohl man selbst nichts hat.

Zu lächeln, wo ich schon längst weinen würde und alles zu schätzen was ich habe.

Es lohnt sich vom Dreck, Lärm und Geruch abzusehen und sich von Likoni und seinen Bewohnern berühren zu lassen, deswegen werde ich wiederkommen.

 

von Feentje Keunecke

 

 

   

     

MIT SPENDEN ETWAS BEWEGEN

 

 

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